14. Juni 2026
Was Frauen in kommunaler Führung fehlt – und was nicht
Über Frauen in Führung wird viel gesprochen. Meist geht es um Selbstvertrauen, um Sichtbarkeit, um Empowerment. Vieles davon ist gut gemeint. Aber es geht an dem vorbei, was Frauen in kommunaler und gemeinwohlorientierter Führungsverantwortung tatsächlich fehlt.
Was nicht fehlt
Es fehlt nicht an Kompetenz. Frauen in diesen Rollen sind fachlich hervorragend, oft überdurchschnittlich qualifiziert, und sie tragen ihre Verantwortung mit großer Ernsthaftigkeit. Es fehlt auch nicht an Motivation oder an Einsatz. Wer es in eine solche Position geschafft hat, hat bewiesen, dass es daran nicht mangelt.
Und es fehlt meist nicht an dem, was viele Angebote adressieren: noch ein Selbstbewusstseins-Training, noch ein Netzwerk-Event, noch ein Impuls zur Selbstoptimierung. Davon gibt es genug. Das Problem liegt woanders.
Was wirklich fehlt
Was fehlt, ist ein Raum auf Augenhöhe. Frauen in Leitungspositionen tragen große Verantwortung – und haben selten jemanden, mit dem sie diese Verantwortung auf gleicher Ebene besprechen können. Nicht mit Mitarbeitenden, die Orientierung brauchen. Nicht mit Vorgesetzten oder der Politik, wo andere Regeln gelten. Und nicht in Formaten, die die Führungsrealität vereinfachen, statt sie ernst zu nehmen.
Es fehlt der Kreis von Frauen, die dieselben Spannungsfelder kennen. Die verstehen, was es heißt, unter politischem Druck strategisch zu entscheiden. Die nicht erklärt bekommen müssen, wie kommunale Strukturen funktionieren, weil sie selbst darin stehen.
Warum das keine Frage der Person ist
Dieser fehlende Raum ist kein individuelles Defizit. Er ist strukturell. Je höher die Verantwortung, desto kleiner der Kreis der Gleichgestellten – und für Frauen ist dieser Kreis in vielen Organisationen ohnehin schmal. Das ist keine Frage von Selbstvertrauen. Es ist eine Frage der Gelegenheit.
Was daraus entstehen kann
Wenn sechs bis acht Frauen auf vergleichbarer Verantwortungsebene über Monate zusammenarbeiten, entsteht etwas, das über das einzelne Gespräch hinausreicht: echtes kollegiales Vertrauen. Die Erfahrung, dass andere dieselben Fragen kennen. Verbindungen, die bleiben, wenn das Format längst vorbei ist.
Das ist kein Nebenprodukt. Für viele ist es das Eigentliche – der Raum, den es vorher nicht gab.